Das Ding mit der Arbeitslosigkeit

Arbeiten gehen ist wohl auch keine Lösung

So toll lasen sich die Arbeitslosenzahlen ja ewig nicht. So sieht das zumindest die Regierung und die Arbeitsagenturen. Ich habe das Thema zwischen den Jahren ein wenig verfolgt und möchte eine kleine Chronologie der Medienberichte vom November 2011 bis kurz vor Jahreswechsel zusammen fassen.

Ich stütze mich dabei allein auf die Berichte und Meldungen der Regierung, der Arbeitsagenturen und der großen Medien. Denen kann man ja wohl vertrauen, oder!? Der Tenor dieser Berichte, in zeitlicher Abfolge gesehen, lässt leider nur ein sehr ernüchterndes Fazit zu und hat mit dem Wahlkampfslogan der FDP bei der letzten Bundestagswahl 2009 nicht allzu viel gemein. “Arbeit muss sich wieder lohnen.”

Das Ding mit der ArbeitslosigkeitTagesschau – 02.11.2011: Arbeitslosenzahl sinkt auf 2,737 Millionen
“[...]Wie die Behörde in Nürnberg mitteilte, waren im Oktober 2,737 Millionen Arbeitslose registriert. Das waren 59.000 weniger als im September und 204.000 weniger als vor einem Jahr. Noch niedriger war die Arbeitslosigkeit in einem Oktober zuletzt 1991. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 6,5 Prozent.[...]“

[Kommentar]
Toll, das liest sich gut. Hier darf man jedoch gern in Betracht ziehen, dass der Winter auch im November noch immer nicht ausgebrochen ist. Das fördert wiederum die Baubranche, die ihre Mitarbeiter nicht in die Winterarbeitslosigkeit entlassen muss, sondern weiter beschäftigen kann. Somit freut sich die Konjunktur, die Wirtschaft, die Regierung und sowieso alle, die sich um unser schönes Land sorgen. Wollen wir hoffen, dass das auch so bleibt wenn der Wintereinbruch kommt.

Tagesschau – 30.11.2011: Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter
“[...]In den vergangenen Jahren war die Arbeitslosenzahl im November im Durchschnitt um knapp 12.000 gesunken. Der Rückgang fiel diesmal überraschend deutlich aus, zumal einige Experten sogar mit einem leichten Anstieg gerechnet hatten. Das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, sagte: “Der deutsche Arbeitsmarkt profitiert von der bisher guten wirtschaftlichen Entwicklung.” Sämtliche Indikatoren seien positiv. “Im November ist keine Eintrübung zu erkennen”, sagte er mit Blick auf mögliche Folgen des nachlassenden Wirtschaftswachstums.[...]“

[Kommentar]
Auch das finde ich wieder super, es macht Hoffnung und stimmt ja wohl alle alle alle glücklich :-)
Weiter geht’s:

Bundesregierung – 15.12.2011: Bundesagentur für Arbeit 2012 erstmals wieder im Plus
“Mit einem geplanten Überschuss von 550 Millionen Euro wird die Bundesagentur für Arbeit 2012 erstmals seit 2007 keinen Zuschuss aus der Bundeskasse mehr benötigen. Im Gegenteil: Die Agentur wird wieder Rücklagen bilden können. Das sieht der vom Bundeskabinett genehmigte Haushaltsplan für das kommende Jahr vor.[...]“

[Kommentar]
Klingt auch erstmal gut. Wirklich interessant wird dann auch noch die nächste Meldung, in der bekannt gegeben wird, dass man zukünftig auch noch ein wenig an Gehältern einsparen kann.

NDR.de – 20.12.2011: Deutlicher Stellenabbau bei Arbeitsagentur
“[...]Bundesweit sollen nach Angaben von BA-Chef Frank Jürgen Weise aus Kostengründen 17.000 Arbeitsplätze wegfallen.[...]“

[Kommentar]
Schade, die sinkende Arbeitslosigkeit sorgt also direkt dafür, dass Stellen in den Arbeitsagenturen wegfallen!? Liebe Agentur-Mitarbeiter: seid lieb zu Euren Kollegen – sie könnten schon in Kürze für Euch zuständig sein. Aber keine Angst – es soll ja niemand entlassen werden ;-)

“[...]Regionalchef Goecke zufolge soll der Jobabbau vor allem über Umstruktierungen erreicht werden. Niemand werde entlassen. Ein Teil der Mitarbeiter werde aus Altersgründen ausscheiden, außerdem würden Zeitverträge nicht verlängert, erklärte Goecke. Er begründet den Stellenabbau mit den veränderten Rahmenbedingungen für die Arbeitsagenturen[...]“

[Kommentar]
Natürlich ist ein auslaufender Vertrag keine Entlassung – auf der Straße sitzt der betreffende Mitarbeiter trotzdem. So wirken sich sinkende Arbeitslosenzahlen halt auch wieder auf die Arbeitslosenzahlen aus. Klingt paradox – isses auch.

HEUTE (ZDF) – 29.12.2011: Immer mehr Arbeitslose rutschen direkt in Hartz IV
“[...]Immer mehr Erwerbslose sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) direkt auf Hartz IV angewiesen. Jeder Vierte, der den Job verliert, bekommt nur noch das Arbeitslosengeld II (Hartz IV), welches meist viel geringer ausfällt als das Arbeitslosengeld I, das sich am früheren Einkommen orientiert. Dies geht aus einer BA-Analyse hervor, über die zunächst die “Süddeutsche Zeitung” berichtete.[...]“

[Kommentar]
Super, es gibt ja soooo wenig Arbeitslose in Deutschland. Fein. Aber wer dann doch mal arbeitslos wird (das scheint ja nicht mehr so häufig vorzukommen), ist dann gleich richtig gekniffen und rutscht mit großer Sicherheit direkt in ALG2. Woran das wohl liegt? Nuja Geringqualifiziert, Leiharbeiter oder gringqualifizierte Leiharbeiter sind aufgrund ihres geringen Einkommens oder wegen Unterschreitung der Beschäftigungszeit für den Anspruch auf ALG herzlich dazu gezwungen – zusätzlich ALG2 zu beziehen.

Süddeutsche – 30.12.2011: Sonderregelung erlaubt Rechentrick – Regierung schönt Arbeitslosenstatistik
“[...]Das liegt an einer Sonderregelung, die 2008 von der großen Koalition eingeführt wurde: Wer mindestens 58 Jahre alt ist und wenigstens zwölf Monate Arbeitslosengeld II (Hartz IV) bezieht, ohne ein Jobangebot bekommen zu haben, gilt nicht als arbeitslos. Im November 2011 waren dies bereits knapp 105 000 Personen, wie das Arbeitsministerium im Dezember in seiner Antwort auf die Grünen-Anfrage mitteilt. Das sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) 16 Prozent mehr als vor einem Jahr – und so viele wie noch nie.[...]“

[Kommentar]
Ähem, Leute geht das nur mir so, oder wusste das im Allgemeinen nicht sowieso schon Jeder? Wenn ich die monatlichen Arbeitslosen sehe, denke ich eh’ sofort an die Dunkelziffer und frage mich, ob die Arbeitsuchenden, nur aus der Statistik gefallen sind oder ob sie in der Tat einen neuen (Mini)Job gefunden haben und jetzt wieder fleißig in unsere Sozialversicherungen einzahlen. Auf jeden Fall wirft das wieder ein ganz sonniges Licht auf gesunkene Arbeitslosigkeit, Entlassungen Versetzungen in den Arbeitsagenturen und Arbeitslose, die sofort wieder in HARTZ-IV / ALG 2 fallen.

So ist “Das Ding mit der Arbeitslosigkeit” also schlussendlich zu verstehen:

Zusammenfassend stelle ich also fest, dass sich der bisher milde Winter auf die positiv auf Arbeitslosenstatistik auswirkt. Es sind weniger Menschen arbeitslos als zu dieser Jahreszeit üblich und noch viel weniger Menschen arbeitslos als in den Vorjahren. Leider befinden sich viele dieser “Arbeitnehmer” in Maßnahmen zur Umschulung, 1-Euro- oder Minijobs. Oder sie sind “zu alt” und fallen deshalb aus der Statistik.

Sorry Leute, aber das hört sich für mich weder nach einer Verbesserung noch nach einem Schritt auf dem richtigen Weg zur Lösung an. Das ist für mich Augenwäscherei. So lange sich es nicht lohnt Arbeiten zu gehen, müsst Ihr damit leben, dass sich die Leute auf die faule Haut legen und sagen: Mit Hartz IV kann ich ganz gut leben, muss mich nicht vor der Gesellschaft rechtfertigen (denn mit der komme ich nahezu nicht mehr in den Kontakt) und fliege sowieso bald aus der Statistik. Dann nervt mich auch mein Bearbeiter bei der Arbeitsagentur nicht mehr (wenn dessen Vertrag nich sowieso ausgelaufen ist) und ich habe den Rest meines Lebens Ruhe.

Ich erinnere die FDP hier gerne noch einmal an ihren Wahlkampfslogan und den damit verbundenen Regierungsauftrag: Arbeit muss sich wieder lohnen! Na dann man los, Jungs!




Der Artikel wurde am 04.01.2012 veröffentlicht und in die Kategorie(n): Politik, Rant geworfen. Die Schlagwörter: , sind absichtlich so gewählt. Drück drauf und es gibt noch mehr zu diesem Thema. Dafür sind die da ;-) Jannewap hat's gemäß § 10 Absatz 3 Mediendienste-Staatsvertrag verbrochen.
  1. 4 Kommentare vorhanden

  2. Was oft vergessen wird, ist, dass du bei einer Hartz-IV-Antragsstellung gedemütigt wirst. Ist nicht so nach dem Motto: Das ist meine Grundsicherung, da habe ich ein Recht drauf. Man versucht mit allen Mitteln, es dir vorzuenthalten.

    Von Jürgen am Jan 4, 2012

  3. Ich hab das glücklicherweise noch nicht erleben müssen. Mir haben die Anträge während meiner 2 wöchigen Arbeitslosigkeit für 7 Jahren schon gereicht. Bevor man nur einen Cent sieht, ist man gezwungen die Hosen runter zu lassen. Dieses Zelebrieren des deutschen “Antragswesens” bei einer “entsprechend zuständigen Abteilung” lässt noch heute meine Ohren bluten. Meine Kollegen kennen meine Allergie gegen dieses Behördendeutsch nur zu gut.

    Vor ein paar Jahren musste ich Flurkarten beim Kataster- und Vermessungsamt besorgen. Im selben Haus saß auch das Sozialamt. Bis dem Typen hinter der Theke klar wurde, dass ich nicht in’s Sozialamt sondern berufsbedingt in’s Kataster- und Vermessungsamt wollte – war ich für ihn (gefühlt) nur schnurrenden Abschaum, der am Liebsten ihm an die Geldbörse will. Jämmerlich, wo Dich Leute hinstecken nur weil Sie unterstellen zu wissen was Du willst. Danach war er überfreundlich.

    Der Witz: der Mann war kein Mitarbeiter der Behörde, sondern Angestellter bei einem Sicherheitsdienst. Das war wohl seine Interpretation von “in die Situation eintauchen”.

    Von jannewap am Jan 5, 2012

  4. Hallo,

    sorry aber das mus ich auch mal loswerden.Wie alle wissen hat ein Arbeitloser nur 12 Monate anspruch auf Arbeitslosengeld 1 nach dieser Zeit ist er ein Sozialfall (Hartz4).Wer Hartz4 bezieht der ist aus der Arbeitslosigkeit raus somit ist es auch kein wunder das die Arbeitslosen Zahl sinkt.

    Von denver am Jan 5, 2012

  5. ‘n Hammer. Einer der verlinkten Artikel gab die Info bereits her. Sowas darf trotzdem gerne nochmal gesondert erwähnt werden.

    Von jannewap am Jan 5, 2012

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