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Der Untergang des Handwerks- das Internet ist schuld- der Webdesigner auch!


Wie soll denn das glorreiche Handwerk überleben, wenn es einer Jugend gegenübersteht, die nichts anderes kann und will, als vor einem Rechner zu sitzen! Oh, armes Handwerk.

Ich habe heute halbfreiwillig an einem Monolog teilgenommen indem es um unsere Jugend geht. Der Herr, selbst ein Maurermeister freut sich über Familien, die mit ihren Kindern in seiner Straße aufwachsen. Der Junge, der mit seiner Familie spazieren geht, tut es seinen Eltern gleich und grüßt den Handwerker als er ihm begegnet. Ein paar Jahre später…

Der Junge passiert das Grundstück des Meisters, mit einer Sporttasche und einem Fußball bewaffnet und grüßt. Gut erzogen, denkt sich der Mann zufrieden.

Der Untergang des Handwerks- das Internet ist schuld- der Webdesigner auch!Auch als der junge Mann wieder ein paar Jahre später mit seiner Freundin am Grundstück vorbei kommt, wird er wieder artig gegrüßt. Das freut den Handwerker, der sich über solche Bewerber in seinem Betrieb freuen würde. Wohlerzogener Knabe, feste Freundin und interessiert an Körperertüchtigung. Aus dem kann was werden.

Dann wird es dem armen Maurermeister aber kalt ums Herz. Was stellt sich ihm dann da Woche für Woche vor? Wer wird vom BIZ, der Handwerkskammer und den anderen Vermittlungsstellen zu ihm in den Maurerbetrieb gejagt? Schulabbrecher, dickliche Jungen ohne sichtbare Freude und auch ohne merkliches Interesse am ehrlichen Handwerk. Niemand bewirbt sich in seinem Betrieb, der auch nur im Ansatz mit dem Jungen aus seiner Straße vergleichbar wäre. Wo sind sie hin, die Jungen und Mädchen mit der Leidenschaft für’s Schaffen!? Wo sind nur die Lehrmeister von morgen!?

Die ganzen Halbstarken, die sich bewerben schreiben eh‘ nur Blödsinn in ihren Lebenslauf- Meine Hobbies sind: Computer, Computerspiele, Webdesign. Scheinbar will niemand mehr den Beruf des Maurers oder eines vergleichbaren Handwerks lernen. Alle scheuen sich vor Dreck und körperlicher Arbeit. Zumindest ruft ihn niemand an… Schlimm… Wie soll das nur weitergehen mit dem deutschen Handwerk, dem Mittelstand… Wie nur!?

Aus meiner Sicht gibt es hier, wie so oft- Keine Wahrheit aber viele Probleme! Ein Problem ist, wie so oft die Kommunikation. Ich bin der Meinung, dass unser werter Maurermeister Recht und Unrecht zugleich hat und tut. Offenbar liebt er sein Handwerk. Das ist gut, produziert unter fehlerhafter Anwendung der Passion aber eben diese Probleme Herausforderungen (wie man im modernen Schisserdeutsch wohl sagt).

Angesichts der Arbeitsmarktlage gibt es immer weniger gut entlohnte Arbeitsplätze für einen Maurer (der Beruf des Maurers dient hier nur als Beispiel- gemeint ist das Handwerk). Also gibt es in dieser Folge auch weniger Bewerber. Im Gegensatz dazu boomt der IT Markt und der, vom Maurermännchen verhasste, Beruf des Webdesigners ist gefragter als in der Vergangenheit. Das bringt eine PC-Generation natürlich dazu, sich eher in diese Richtung zu orientieren. Sie ist in diese Welt hineingewachsen. Sie (die Jugend) wurde nicht vom Internet und diesem neumodischen Kram überfordert überrannt. Die Jugend hat mitnichten Angst vor Dreck und körperlicher Arbeit. Da auch der Kopf zum Körper gehört, darf dieser Vorwurf als Nonsens zurückgewiesen werden.

Ein weiteres Problem ist wieder eins aus dem Bereich der Kommunikation. Dieses ist viel bedeutender als die Tatsache, dass das Handwerk etwas mit körperlicher Arbeit zu tun hat. Es ist Eure Art- mit Euren Mitarbeitern umzugehen-liebe Handwerker. Die Prämisse: Ich Chef, Du nix ist von vorgestern und totaler Dummschiss! Solange Praktikanten, Azubis und Hilfsarbeiter wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden, werdet Ihr Personalprobleme haben. Wer das nicht versteht und seine Art und Weise, mit Mitmenschen umzugehen ändert, wird der Lage nicht Herr. Solange der Chef nicht meckert, ist alles ok– was für’n Bullshit! Die oft zitierte Intrinsische Motivation darf gern unterstellt werden, der liebe Vorgesetzte (Vorarbeiter, Kollege, Bauherr, wer auch immer…) sollte sie jedoch auch erhalten und nicht mutwillig zerstören. Das demotiviert Menschen und vermindert ihre Arbeitsleistung! Nur die Allerwenigsten von uns (Menschen) begeben sich gern in Situationen, in denen es als Belohnung empfunden wird, wenn man nicht forwährend angemault und schlecht gemacht wird.

Des Weiteren begeht unser Maurermeister einen weiteren fatalen Fehler. Er sagt niemandem, dass er gern einen fähigen Lehrling oder Praktikanten hätte. Er lehnt sich lieber zurück und wettert munter vor sich hin, welch schlechte Menschen doch von den Vermittlungsstellen bei ihm angekarrt werden. Als Besitzer eines Grundstückes ist es für ihn doch ein Leichtes, den Bedarf eines Praktikanten oder eines Lehrlings in die Öffentlichkeit zu tragen. Hier hilft ein Schild. Und es findet sich doch sicher ein Webdesigner, der ein hübsches Schildchen für unseren Maurermeister entwirft. 😉

Darüber hinaus hätte er sich keinen Zacken aus der Krone gebrochen, ein Wörtchen mit dem Jungen zu diesem Thema zu tauschen. Selbst wenn der Junge selbst bereits anderweitig eingespannt ist, oder tatsächlich kein Interesse am Beruf des Maurers hat- so hätte er ein wunderbarer Träger für den Bedarf sein können. Unser Handwerker sah den jungen Mann schließlich mehrfach mit einem Fußball. Da Fußball ein Mannschaftssport ist, darf doch unterstellt werden, dass der Knabe auch mit anderen Menschen Fußball spielt und sonstwie interagiert. Schade nein, es bleibt dabei- die Welt ist böse und der werte Maurer grämt sich, weil er all das schöne erlernte Wissen und Handwerk nun mit in’s Grab nehmen muss.

Es ist ein Jammer. Ein weiterer Fehler wurde begangen. Jetzt von mir. Ich hätte mich mit meiner Meinung mit dem Handwerker austauschen sollen, hab’s aber nicht getan. Ich schreibe es hier nieder. Ins Internet! Da wo er doch gar nicht hin will! Wiedermal die Krux mit der Kommunikation. Ich gelobe Besserung!

Veröffentlicht inWirtschaft


"Der Untergang des Handwerks- das Internet ist schuld- der Webdesigner auch!" wurde am 24. August 2010 verfasst. . Bitte beachte, dass die Informationen in diesem Artikel lediglich den Stand des Datums der Veröffentlichung spiegeln und sich im Laufe der Zeit geändert haben können.

Ein Kommentar

  1. Ich habe vor 40 Jahren eine Lehre als Elektriker absolviert.
    Nach der Lehre habe ich 12 Jahre auf dem Neubau gearbeitet und weiss wovon ich schreibe.Wenn ich diese Jahre Revue passieren lasse fällt mir nicht viel positives dazu ein.Bei Wind und Wetter beim einlegen, egal ob es aus Kübeln regnet.Im zugigen Neubau ( die Fenster werden ja erst zu einem späteren Zeitpunkt montiert) beim Schlitzen und Spitzen.
    Als Materiallager und Aufenthaltsraum ein feuchter Luftschutzkeller.
    Znünipause auf der Werkzeugkiste.Die Arbeit sollte schon fertig sein wenn du damit anfängst.Weiterbildung unerwünscht da man ja sonst jemand andern suchen müsste.Am Monatsende ein Lohn der für keine Familie reicht.
    Ich habe erst einen guten Lohn erhalten als ich dem Handwerk mit 32 Jahren d.h im letzten Moment den Rücken gekehrt habe.
    Was habe ich daraus gelernt?
    Manuelle Arbeit ist nichts wert.
    Sogenannte geistige Arbeit wird viel besser bezahlt.
    Meinung der Mehrheit der Gesellschaft: Nur die Dümmsten mache eine Lehre.
    Oder wie Dieter Bohlen sagte: Du bist Maurer? Warst du so Scheisse in der Schule?
    Macht es doch wie in Amerika keine Lehre nur noch Jobs irgend ein Dummer macht die körperliche Arbeit schon…..

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