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Kleine Anfrage zum Thema Call Center an die Bundesregierung


Die „kleine Anfrage“ ist ein tolles Mittel um Regierungspolitiker (oder eher deren Referenten) ein bisschen Arbeit zu verschaffen. Ich bin kein „Fan“ der Fraktion „Die Linke“ aber ich bin ein Fan der „kleinen Anfrage“. Die Linke hat in der aktuellen kleinen Anfrage ein Thema aufgegriffen, dass mich selbst betrifft und interessiert.
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Call Center und die aktuelle Situation in der Call Center Branche oder wie es exakt in der Drucksache 17/2980 formuliert ist: „Fehlende soziale Mindeststandards in der Call-Center-Branche“ Die Verfasser der kleinen Anfrage bewirken hiermit, dass sich die Bundesregierung mit dem Thema befassen, auseinandersetzen und argumentieren muss.

So eine kleine Anfrage muss von Abgeordneten gestellt werden. Jeder Bürger unserer BRD darf theoretisch ein Thema seines Interesses an seinen Abgeordneten herantragen. Der setzt sich wiederum mit seinen Kollegen zusammen. Wenn das Thema interessiert- dann wird daraus eine Kleine Anfrage. Der Bundesregierung wird der Fragenkatalog der kleinen schriftlich übergeben. Diese studiert dann diese Anfragen, recherchiert das Thema und beantwortet die gestellten Fragen schriftlich. Das war es dann in der Regel auch mit dem Thema- es verschwindet wieder in der Versenkung.

Wenn die hervorgebrachten Antworten aber weitere Fragen oder größeren Redebedarf aufwerfen, und wenn dann noch öffentliches Interesse erzeugt wird dann kann daraus auch die große Anfrage werden. Diese Große Anfrage würde dann im Plenum (Bundestag) diskutiert. Dann können daraus auch neue gesetzliche Regelungen hervorgehen. Also sind es mal wieder viele Instanzen bis es zu einem Bürgerthema im Bundestag kommt. Wir sind hier ja auch nich‘ bei „Wünsch-Dir-Was“ sondern bei „So-Isses“.

Zur kleinen Anfrage an die Bundesregierung. Verfasser der Anfrage sind: Sabine Zimmermann, Diana Golze, Matthias W. Birkwald, Heidrun Dittrich, Werner Dreibus, Klaus Ernst, Katja Kipping, Jutta Krellmann, Ingrid Remmers, Jörn Wunderlich (alles (die) LINKE) und dem Rest der Fraktion DIE LINKE. Unterzeichnet ist die Anfrage von Dr. Gregor Gysi.

Die Prosa der LINKE klemme ich mir ganz eigennützig, die kann man hier selbst nachlesen (die Drucksache wurde ja mit den entrichteten Steuern schließlich mitbezahlt):

Die Fragen an die Bundesregierung zum Thema Call Center lauten:

  1. Wie schätzt die Bundesregierung die derzeitige Lage der Call-Center-Branche und die Situation der dort arbeitenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein?
  2. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Beschäftigungsverhältnisse in der Call-Center-Branche (bitte im Zeitverlauf der letzten Jahre bis heute die jährliche Zahl der sozialversicherungs-pflichtigen Vollzeit- und Teilzeitjobs sowie der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse sowie entsprechende volkwirtschaftliche Vergleichszahlen nennen)?
  3. Welche Rolle spielen Leiharbeit und befristete Beschäftigung in der Call-Center-Branche? Wie hat sich seit 2005 der Anteil dieser beiden Beschäftigungsformen an der Gesamtbeschäftigung in der Branche entwickelt (bitte jährlich relativ und absolut angeben sowie entsprechende volkwirtschaftliche Vergleichszahlen nennen)?
  4. Wie hat sich seit 2005 das Lohngefüge in der Call-Center-Branche entwickelt (bitte die Entwicklung der Monats- und Stundenlöhne in der Call-Center-Branche für die letzten Jahre darstellen und dabei auch nach Beschäftigungsformen und Leistungsgruppen differenzieren)?
  5. Wie hat sich seit 2005 in der Call-Center-Branche die Zahl der sogenannten Aufstocker (Erwerbstätige mit Bezug von Arbeitslosengeld II) entwickelt (bitte auch hier nach den verschiedenen Beschäftigungsformen differenzieren und entsprechende volkwirtschaftliche Vergleichszahlen nennen)?
  6. Wie hoch sind die Ausgaben, die seit 2005 für aufstockende Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) an Erwerbstätige in der Call-Center-Branche geleistet wurden (bitte die Gesamtkosten aufführen sowie deren jährliche Entwicklung, und wenn möglich, den durchschnittlich gezahlten Betrag je Erwerbstätigen nennen)?
  7. Teilt die Bundesregierung die Aussage des Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Dr. Dieter Hundt, es gäbe in der Call-Center-Branche keine sozialen Verwerfungen (Financial Times, 3. Februar 2010)?
  8. Wie hoch ist der Anteil der weiblichen und männlichen Arbeitskräfte unter den Call-Center-Agenten in den Call-Centern (bitte auch hier nach den verschiedenen Beschäftigungsformen differenzieren)?
  9. Welche Erkenntnisse über die Krankheitsquote in der Call-Center-Branche ergeben sich aus den Fehlzeitreporten verschiedener Krankenkassen, zieht man Call-Center-typische Tätigkeiten etwa die einer Telefonistin heran?
  10. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung bezüglich einer Dequalifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Call-Center- Branche, die darin besteht, dass Beschäftigte den Unternehmen Fähigkeiten zur Verfügung stellen, die sie vorher auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt erworben haben, aber von den Call-Center-Unternehmen weder als Qualifikationen anerkannt noch entgolten werden, womit aus einstigen Fachkräften systematisch gering entlohnte Hilfskräfte gemacht werden?
  11. Wie haben sich die Umsätze und Gewinne in der Call-Center-Branche in den letzten Jahren entwickelt? Welche statistischen Daten, welche Branchenanalysen und Firmenumfragen sind verfügbar?
  12. Hat es in den letzten Jahren in der Call-Center-Branche eine wirtschaftliche Konzentration gegeben? Wenn ja, wie lässt sich diese in Zahlen beschreiben, und wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung?
  13. Was sind die zwanzig größten Unternehmen der Call-Center-Branche (bitte mit Umsätzen und Beschäftigtenzahlen nennen)?
    Anm.d.Red.: Freunde, das könnt Ihr echt selbst recherchieren! #Faulheit
  14. In welchem Ausmaß sind 2009 Unternehmen der Call-Center-Branche durch verschiedene Instrumente der Wirtschaftsförderung subventioniert worden (bitte nach Bundesländern aufgliedern)?
  15. Wie stark ist die Förderintensität der Call-Center-Branche verglichen mit der Gesamtwirtschaft?
  16. Welche zwanzig Call-Center-Unternehmen haben aus den Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe regionale Wirtschaftsstruktur die meisten Fördergelder erhalten (bitte Förderzeitraum, Vorhaben und Fördersumme nennen)?
  17. In welchem Ausmaß sind seit 2005 Unternehmen der Call-Center-Branche durch verschiedene Instrumente der Arbeitsmarktförderung subventioniert worden (bitte die Summe der Förderung für die einzelnen Jahre nennen sowie nach Art der Förderung aufzählen)?
  18. Gibt es beschäftigungspolitische Kriterien für die Fördermittelvergabe auf Bundes- und Landesebene (z. B. Mindestentgelte, Art der Beschäftigungsverhältnisse)? Wenn nein, warum ist das bisher nicht in Erwägung gezogen worden? Wenn ja, um welche handelt es sich dabei (bitte genaue Regelungen für Bundes- und Landesebene nennen)?
  19. Sind der Bundesregierung Fälle bekannt, dass Call-Center-Unternehmen einerseits Entlassungen und Betriebsschließungen vorgenommen haben, anderseits aber neue Standorte mit der Nutzung von Subventionen errichtet haben? Welche staatlichen Stellen sind für eine Prüfung dieses Sachverhalts zuständig, und welche Prüfungen haben dazu mit welchen Ergebnissen in der Vergangenheit stattgefunden?
  20. Wie hoch ist die Tarifbindung in der Call-Center-Branche?
  21. Wie viele und welche Unternehmen der Call-Center-Branche haben seit 2005 Tarifverträge geschlossen und diese entsprechend der Verpflichtung aus dem Tarifvertragsgesetz dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) nach Abschluss übersandt (dabei wird eine Aufstellung erbeten nach Jahren und geordnet nach Art der Tarifverträge unter Angabe des Geltungsbereiches und der Geltungsdauer sowie der vertragsschließenden Gewerkschaft)?
  22. Welche der 20 größten Unternehmen der Call-Center-Branche sind derzeit im Tarifregister eingetragen (soweit vorhanden, bitte nennen, wie dort wesentliche Arbeitsbedingungen wie Lohn, Arbeitszeit, Urlaub konkret geregelt sind)?
  23. Welche Schritte wären notwendig, um nach dem Mindestarbeitsbedingungengesetz für die Call Center-Branche ein Mindestentgelt durchzusetzen? Sind entsprechende Schritte für die Call-Center-Branche eingeleitet worden? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, in welchem Stadium befindet sich dieser Prozess, und wann ist mit einem Abschluss des Verfahrens zu rechnen?
  24. Wie begründet die Bundesregierung ihre schriftliche Antwort auf die Mündlichen Fragen 63 und 64 (Plenarprotokoll 17/54) nach einem gesetzlichen Mindestlohn für Call-Center-Beschäftigte, die lautete „Die Bundesregierung bekennt sich zur Tarifautonomie. Diese hat Vorrang vor staatlicher Lohnfestsetzung. Einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn lehnt die Bundesregierung deshalb ab.“ vor dem Hintergrund, dass es in der Call-Center-Branche überhaupt keine funktionierenden Tarifvertragsparteien gibt?
  25. Gibt es Call-Center-Firmen, die im öffentlichen Besitz oder Tochterfirmen öffentlicher Unternehmen sind?
  26. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Tätigkeit von Private Equity-Investoren in der Call-Center-Branche?

Die Fragen zielen nach meiner Auffassung (Laie) darauf ab, hier Gewerkschaften in der Branche zu platzieren um den Arbeitskampf aufzunehmen. Ich bin jedoch der Meinung, dass das nicht nötig ist. Dem Preisdumping muss nicht auf Basis der Entlohnung sondern auf der Basis des Callminutenpreises Einhalt geboten werden. Nur durch die Verhinderung des weiteren Preisverfalls können Arbeitnehmer entlastet, besser entlohnt und die geleistete Arbeit nach Qualität bemessen und entlohnt werden!

Hier ist die Rede von Call Centern, die sich als Outsourcing Partner verstehen. Nur wenn Unternehmen aufgrund der qualitativen Leistung ihrer Mitarbeiter entlohnt werden und ein Callminutenpreis nicht ständig zur Disposition steht, kann eine adäquate Arbeitsleistung (Aus-, Weiter- und Forbildung) erbracht und die Mitarbeiter adäquat entlohnt werden. Die „marktübliche“ Bezahlung der Mitarbeiter wäre im Durchschnitt weit höher als es heute möglich ist. Eine staatliche Bezuschussung zum Einkommen der Call Center Mitarbeiter wäre somit nahezu unnötig (Zumindest nicht in diesem Ausmaß). Die Mitarbeiter tragen sich wirtschaftlich dahingehend selbst, indem sie durch qualitative Leistungen angemessen entlohnt werden. Ein fester Mindest-Callminutenpreis ohne jährliche „Korrektur nach unten“ macht das Ganze sehr viel einfacher.


Kurz und knapp: Der Mitarbeiter bekommt ein höheres Grundgehalt, überzeugt durch Leistung (Grips und Stimme) und verschafft seinem Unternehmen so einen messbaren Mehrwert. Das Outsourcing Unternehmen stellt sich beispielsweise Kundenzufriedenheitsbefragungen (jährliche Connect-Umfrage beispielsweise) und wird in die Lage versetzt Bonifikationen vom Auftraggeber zu erhalten und an seine hart arbeitenden Mitarbeiter zu verteilen. Das beauftragende Unternehmen bekommt durch höhere und publizierte Kundenzufriedenheit eine höhere Stellung am Markt und steigert seine Kundenzahl/Absatzzahl whatever. Der Kuchen wird für alle größer und jeder bekommt seinen Happen mit Sahne. Der Arbeitgeber erhöht (Prestige, Ertrag und generiert neue Aufträge) und der Arbeitnehmer (zum Beispiel Sonderzahlungen oder Incentives) profitiert somit auch!

Das wäre mein Modell der sozialen Gerechtigkeit im Outsourcing-Call Center. Beste Bezahlungen für beste Leistungen!

Los Leute, Kommentare bitte!

Veröffentlicht inPolitikWirtschaft


"Kleine Anfrage zum Thema Call Center an die Bundesregierung" wurde am 6. Oktober 2010 verfasst. . Bitte beachte, dass die Informationen in diesem Artikel lediglich den Stand des Datums der Veröffentlichung spiegeln und sich im Laufe der Zeit geändert haben können.

2 Kommentare

  1. Anita Büttner Anita Büttner

    Ja, ich bin seit September 2010 in einem Call Center tätig und ich kann die Fragen nur befürworten.

  2. Markus Greindl Markus Greindl

    Hallo !

    Ich möchte gerne, bei einem Callcenter arbeiten, da ich auf der Straße wohne und kein Geld habe.
    Ich wohne in einer Mülltonne und habe nichts zum Essen 🙁

    Bitte helfen Sie mir, ich wäre Ihnen sehr verbunden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Markuuuuuuuuuuuuuuus Greindl

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