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Mehrwertdienste auf der Handy-Rechnung – das Ende der Kreditkarte?


Nach der Einschätzung des CEO der Telefónica o2 Deutschland René Schuster könnten Abrechnungen über den sagenumwobenen Begriff „Mehrwertdienste“ die klassische Kreditkarte im Laufe der kommenden 5 Jahre gänzlich ablösen. Ein Mobilfunkkunde könnte seine genutzten Zusatzdienste dann ganz einfach über seine Mobilfunkrechnung abrechnen lassen. Bis dahin ist es aber ein langer und vor allem steiniger Weg.

Der Großteil unserer Bevölkerung sieht den Begriff „Mehrwertdienste“ als Abzocke und Bauernfängerei. Kein Wunder! Bis dato ist es doch auch so, dass der deutsche Michel größtenteils keine Ahnung hat (sorry, wenn’s hart klingt) was Mehrwertdienste leisten können. Viele verbinden diesen Begriff sofort mit Klingelton-Abos von Jamba! und Co. Da auch das ziemlich hart und gleichzeitig platt klingt, immer schön der Reihe nach:

Der o2 CEO René Schuster prognostiziert die Ablösung der Kreditkarte binnen der kommenden 5 Jahre. Als Ersatz-Zahlungsmittel sollen dann Mehrwertdienstabrechnungen auf der monatlichen Handyrechnung in den Vordergrund rücken.

Keine dumme Idee und abwägig schon gar nicht. Seit dem Jahr 2007 läuft ein Langzeittest mit dem Namen Touchpoint in Potsdam, Hannover und Berlin. Hier können öffentliche Verkehrsmittel mittels des Handys genutzt werden. Über den Funkstandard NFC (Near Field Communication) erfolgt dann der S-Bahn-Login und S-Bahn Logout. Die Kosten erscheinen dann, entweder nach jeweiliger Nutzung oder als Flatrate – heute würde man das wohl Monatskarte nennen – abgerechnet. Und zwar über die Handyrechnung!

Der Ablauf der Touchpoint-Nutzung ist folgender:
Man hält ein Mobiltelefon mit spezieller NFC-Technologie vor den Touchpoint und signalisiert den Touch-In (zu Deutsch: So Freunde- ich steig jetzt in den Bus/die Tram). Beim Verlassen des Verkehrsmittels hält man seinen Fernsprecher wieder vor dieses Ding und signalisiert den Touch-Out (zu Deutsch: So! Jetzt hab ich aber genug von den Gerüchen und den vielen fremden Leuten und steige wieder aus). Die SIM-Karte des Telefons speichert diese Daten und gibt sie an das Hintergrundsystem der Deutschen Bahn zur
Abrechnung weiter.

Darüber hinaus explodiert die Nutzung von App-Stores weltweit. Ob es der OVI-Store von Nokia, der App-Store von Apple, der Marketplace von Google etc… ist, die App-Läden werden gut besucht und genutzt. Nur die angebotenen Möglichkeiten der Bezahlung sind bis heute weitestgehend unterirdisch schlecht. Hier müssen Kreditkarten genutzt werden um kostenpflichtige Apps zu laden oder App-Store Voucher gekauft werden – nach der schönen neuen und digitalen Welt klingt das wirklich nicht. Also bietet sich auch hier die Abrechnung über die monatliche Handyrechnung oder das Guthaben einer Prepiad-Karte an – aber das muss der Durchschnittsdeutsche erstmal gelehrt bekommen. Klingt hart – isses auch!

Wie eingangs beschrieben, verbinden Mobilfunkkunden des Begriff Mehrwertdienst sofort mit „irgendwelchen“ Abos und Kostenfallen. Alles in allem werden Mehrwertdienste als böses Teufelswerk empfunden. Der Begriff Jamba! wurde bereits beispielsweise genannt – damit kann der „Gebeutelte“ auch was anfangen.

Ich will das Thema Abzocke und Abos in Gratis-Apps hier nicht ausweiten, aber der alles in allem doch gute Akte 2011 Report vom 11.01.2011 verdeutlicht, warum die Menschen berechtigt ärgwöhnisch auf den Begriff Mehrwertdienst reagieren. Das kann ich nachvollziehen (ernsthaft, großes Indianerehrenwort).

Aber Mehrwertdienste können noch mehr! Nehmen wir das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln per Toupoint oder Partnerprogramme wie mypay. Hier können Produkte gekauft oder echte Services in Anspruch genommen werden – die dann bequem über die monatliche Handyrechnung zu begleichen sind.

Bevor die, ohne Zweifel, gute Idee zur Realität werden kann, muss das positive Verständnis für Mehrwertdienste per se geweckt werden. Darüber hinaus brauchen wir, zumindest hier in Deutschland eine einheitliche und Netzbetreiber-übergreifende Vorgehensweise im Rahmen der Regularien eines Vertragsabschlusses, der Rechnungslegung und der Widerspruchsbearbeitung. Nur wenn die Kunden aufgeklärt sind, kann auch vernünftig mit der neuen Bezahlmethode Mehrwertdienste gearbeitet werden.

Wenn das aber geschafft ist, dann – ja, Herr Schuster – heißt es: Bye bye Kreditkarte. Und vielleicht schon in 5 Jahren…

Veröffentlicht inNetzbetreiber


"Mehrwertdienste auf der Handy-Rechnung – das Ende der Kreditkarte?" wurde am 25. Januar 2011 verfasst. . Bitte beachte, dass die Informationen in diesem Artikel lediglich den Stand des Datums der Veröffentlichung spiegeln und sich im Laufe der Zeit geändert haben können.

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