Zum Inhalt

Hoppe für priorisierte Verteilung von Medikamenten


„Jedem wird geholfen, nur wann – das sollte entschieden und definiert werden – aber bite nicht von mir. Das soll die Politik machen. Dann kann ich nämlich sagen: Tut mir leid, werter Patient. Ich kann Dir noch nicht helfen. Ich würde ja so gerne aber so schreibt es der Gesetzgeber vor.“

Das ist es, was ich den jüngsten Aussagen von Ärztepräsident Hoppe entnehme. Der aus dem Amt scheidende Präsident der Bundesärztekammer haut kurz vor seinem letzten Arbeitstag noch mal voll rein: Die Behandlung von Patienten solle priorisiert werden. Je nach Subventionslobby Dringlichkeit würden Patienten demnach Medikamente oder Behandlungen erhalten. Diese Priorisierung gäbe es ja schon in anderen Ländern Europas und müsse auch bei uns manifestiert werden.

Das ist wohl eine zwanghafte Reaktion auf den Umstand, dass dem Gesundheitswesen von der Seite des Staates wo wenig Budget eingeräumt wird. Das ist inoffiziell schon heute so. Der behandelnde Arzt muss doch schon heute entscheiden welches Medikament er verschreibt oder nicht. Sein Budget würde sonst hinten und vorne nicht reichen. Nur, dass uns (Patienten) heute noch vorgelogen vermittelt wird, dass das verschriebene Mittel das Beste sei, das man für diese und jene Erkrankung bekommen könne.

Ich verstehe, dass man Prioritäten setzen muss. In jeder Notaufnahme läuft das ja (zu Recht) so. Erst werden die Patienten versorgt, deren Leben bedroht ist, dann darf der Rest. Das ist auch in Ordnung – in diesem Fall.

Wenn so etwas aber festgelegt wird, wird’s ungemütlich. Wo kommen wir denn da hin? Was ist denn, wenn eine Erkrankung nach einer Standard-Krankheit aussieht – es am Ende aber EHEC ist und der Patient stirbt?

Ich selbst habe Neurodermitis. Das ist eine nicht tödliche aber wirklich lästige Erkrankung der Haut, die meine Leistungsfähigkeit und meine Lebensqualität signifikant einschränkt. Jeder, der sich in den letzten Wochen in meinem näheren Umfeld befand, kann davon ein Liedchen singen. „Nicht kratzen. Stelle markieren und waschen. Du, ich kenne da eine tolle Salbe aus dem abendlichen Morgenland – damit haben die schwangeren Südsee-Elfen auch keine Hautprobleme mehr…“ „Fresse“

Verstehe ich die Überlegungen also richtig, werde ich nicht mit Medikamenten (Kortison für den Notfall oder Anti-Allergika) oder Behandlungen versorgt werden, denn es gibt akutere Fälle. Ich habe vollstes Verständnis dafür zur Seite zu treten und zu warten, wenn das Leben eines Menschen bedroht ist. Aber ich möchte die Gewissheit haben und genießen, dass sich auch meines Leidens angenommen wird. Darauf muss auch eine adäquate Medikamentenversorgung erfolgen. Ich zahle Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung ein, und habe eine Krankenzusatzversicherung für den Fall „dass mal was is'“. Und ich wäre trotzdem hinten an. Trotz aller regelmäßigen Zahlungen, trotz des sichtbaren Bedarfs. Mit einer gesetzlichen Priorisierung müsste mich doch jeder Arzt abweisen oder nach hinten schieben, sobald ein akuterer Fall an ihn heran tritt. Das würde ja nie enden…

Auch andere, nicht tödliche, chronische Krankheiten wären betroffen. Multiple Sklerose (MS) oder Rheuma sind ja so Krankheiten die in einer gesetzlichen Priorisierung im Vergleich hinten anstehen würden, oder etwa nicht!?

Ich möchte das Thema überhaupt nicht umfassend zu Ende durchspinnen, denn dafür fehlen mir schlicht die Zeit und vor allem die Nerven. Es hakt an sehr vielen Stellen in unserem Gesundheitssystem, da ist der Vorstoß von Herrn Hoppe (gefühlt) auch nur ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Macht mal, Freunde – macht mal.
Es wird schon das Falsche sein.

Zu guter Letzt möchte ich noch aus dem übersetzten Text des Eides des Hippokrates zitieren:
[…]Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.[…]

Komisch, es gibt im gesamten Eid keinen Hinweis darauf, wie lange ein Patient mit einer „ledilich lästigen“ Krankheit auf seine Behandlung waren soll. Nuja, der Eid muss ja auch heute nicht mehr geleistet werden, ne!?

Quelle:süddeutsche

Veröffentlicht inWirtschaft


"Hoppe für priorisierte Verteilung von Medikamenten" wurde am 28. Mai 2011 verfasst. . Bitte beachte, dass die Informationen in diesem Artikel lediglich den Stand des Datums der Veröffentlichung spiegeln und sich im Laufe der Zeit geändert haben können.

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.