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CCC pflückt „Bundestrojaner“ auseinander


„Tolle News“, die am Sonntag durch die Nachrichtenanstalten flattern. Der CCC (Chaos Computer Club) hat eine Auswertung (hier zum Download) veröffentlicht, die die Machart und die Tätigkeitsfelder eines Bundestrojaners beschreibt. Sehr geil an der Nummer: Hierfür musste kein staatlicher Rechner „geöffnet“ werden.

Das Programm stammt von einer Festplatte, die dem CCC zugespielt wurde. Es ist gar nicht die blosse Existenz des Trojaners – auch der Staat muss sich ja mal mit neuen Medien auseinander setzen – sondern die miserable Sicherheit, und die Angreifbarkeit die das Programm beinhaltet/ antreibt. Das Teil ist nicht nur bedenklich unsicher sondern schickt Rechnerdaten auch noch munter direkt in die USofA auf einen privat gehosteten Server.

BKA sagt: "Nicht von uns"„Datenschutz, Facebook, ne!?“ 😉 Die ganze Schose wird nämlich noch besser: Der Trojaner ist nur stümperhaft gesichert, so dass nicht nur von eigener sondern auch von fremder Seite noch zum Beispiel Schadprogramme nachgeladen werden können. Denkbar ist somit auch, dass über Dritte – eigenmotiviert oder nicht – dem Überwachten munter Daten in sein System eingespielt werden ohne dass das der Trojaner oder eine andere Weichware das aufzeichnet oder beweisbar macht. Wow, virtuelle V-Leute, super!

Jede mediale Komponente (Hard- und Software) eines Rechners (Micro, Webcam, Skype, Browser und Explorer sowieso) können aktiviert und zur totalen Überwachung eingesetzt werden. Dabei ist die Software noch so gestrickt, dass sie – und ich hoffe das ändert sich bald – von keiner Firewall oder einem Anti-Viren-Scanner erkannt wird. Da kann ich auch am offenen Fenster an meinem Rechner sitzen – den Monitor nach aussen gedreht und die Boxen auffer Fensterbank – aber nur wenn die Nachbarn auch mitmachen!

Zitat aus Bremerhaven: Für mich heisst das: 1984 ist keine Fiktion, keine Thematik, die wir lässig abwinken können. Wir sind mittendrin in dem Scheiss. Bundestrojaner. Kein Mittel um uns zu schützen. Definitiv nicht. Wir als Bürger werden damit angegriffen.

Recht hat er, der Caschy – das sackt gar sehr! Und während ich mir Gedanken mache, dass diese Software, die hier dem CCC zugespielt wurde, schon längst von Anderen (nichtstaatlich Getriebene) aber möglicherweise viel früher benutzt und vielleicht sogar modifiziert wurde, wird von Seiten der Regierung und des Innenministeriums schon wieder Wortklauberei betrieben. „Das BKA habe die Software nicht eingesetzt – damit sei es auch kein Bundestrojaner (Quelle: ARD Tagesschau)“. Aha, ist dann wohl Ländersache :-/ Obwohl die einleitenden Worte in den großen Medien immer die selben sind – das BKA und die Bundesregierung habe diesen Trojaner nicht eingesetzt, fehlt mir zum jetzigen Zeitpunkt eine klare und deutliche Erklärung, dass es sich bei der Software nicht um eine Software der Bundesregierung oder im Auftrag der Bundesregierung programmierten Software handelt.

Der CCC ist sich des Charakters des Bundes/Landes/Whatever-Staatstrojaners sicher und in Ermangelung einer Distanzierung kann man wohl davon ausgehen dass das auch so ist. Es sollte sich jeder den Report zu Gemüte führen. Die Zusammenfassung des CCC lässt tief blicken:

ANALYSE EINER REGIERUNGS-MALWARE
Wir sind hocherfreut, daß sich für die moralisch fragwürdige Tätigkeit der Programmierung der Computerwanze keine fähiger Experte gewinnen ließ und die Aufgabe am Ende bei studentischen Hilfskräften mit noch nicht entwickeltem festen Moralfundament hängenblieb.

Ein kleines Schulungsvideo mit den Erkenntnissen des CCC gibt’s hier:

Danke an die Netzpolitik.

Am Besten isses, sich einen Rechner zum Surfen zuzulegen und einen Offline-Rechner für die sensiblen Daten. Aber das nutzt ja nichts, denn nach ersten Erkenntnissen konnte nicht einwandfrei festgestellt werden, dass der Trojaner von aussen also übers Web installiert wurde. Damit liegt die Vermutung nahe, dass sich jemand Zugang zum Rechner verschafft haben muss. Ich lass das mal so stehen und bin auf die Fortsetzung der Story gespannt.

Ich schließe meine heutigen Zeilen mit den großartigen Worten des

Florian Meimberg zum Thema Trojaner:
Der König von Troja musterte das riesige Holzpferd. „Mehr hast Du nicht drauf, Agamemnon?“ Lächelnd drehte er sich um. „Anzünden!“

Siehe auch: Golem

Veröffentlicht inPolitik


"CCC pflückt „Bundestrojaner“ auseinander" wurde am 9. Oktober 2011 verfasst. . Bitte beachte, dass die Informationen in diesem Artikel lediglich den Stand des Datums der Veröffentlichung spiegeln und sich im Laufe der Zeit geändert haben können.

3 Kommentare

  1. Bummi Bummi

    Lol oder lädt sich Pläne für Bomben runter die Bullen reiten bei dir ein, durchsuchen den PC und sagen dann du hast einen Anschlag geplant 😀 Na toller Roller, was ist mit dem Guten alten Geheimdienst passiert (wanzen in der Wohnung anbringen, Nachbarn verhören, Leute unter druck setzten, Folter und Verhöre)? Wird ja immer besser das ding.

  2. […] wieder ein Stückchen gläserner.Stichworte für den letzten Satz sind: #Blackberry in London, #Bundestrojaner, #Vorratsdatenspeicherung und natürlich die #SteuerCD.Was sagt Ihr? iCloud-Sync abschalten?Die […]

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