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26. Tag der deutschen Einheit


Wir haben den 03.10.2016. In Deutschland wird der 26. Tag der deutschen Einheit begangen, das GEZ-Fernsehen zeigt Rückblicke auf die friedliche Revolution im Lande und versucht das Wir-Gefühl ein wenig anzuschieben. Ein bisschen Schwarz-Rot-Goldene Idylle mit einem ganz kleinen Kleks Patriotismus an diesem Tag. Um Gottes Willen nicht zu viel, hüben und drüben könnte man uns Deutsche ja gleich wieder für Nazis halten, die die Welt überrennen wollen. Wenn wir nun aber ganz genau hinschauen stellen wir fest, dass wir überhaupt nicht vereint sind. Und nein, es geht hier nicht um die BRD GmbH oder die Ostgebiete. Hier geht es um die deutsche Einheit in den Grenzen, die wir seit 1990 unsere Bundesrepublik nennen – und die innerdeutschen Grenzen, die uns noch immer trennen.

Berliner Festmeile am Tag der deutschen Einheit 2016

IMHO gibt es keine deutsche Einheit

  • Grundsätzlich:

    Ich lebe in einem der „neuen Bundesländer“. WTF!? Wir haben 2016. Und das auch nicht mehr lange. Dicke, fette 26 Jahre nach der Wiedervereinigung lebe ich in einem der neuen Bundesländer!? Ich lebe also schon fast so lange in einem neuen Land (Nicht Neuland), wie die Mauer stand, die es einst teilte. Die Mauer teilte Deutschland Ost und -West vom 13.08.1961 bis zum 09.11.1989 – das sind 28 Jahre. Langsam ist dann also auch mal gut mit neuen Ländern, oder nich!?

  • Arbeitsleben:

    Wie soll denn ein Wir-Gefühl entstehen, wenn es nach wie vor eklatante Unterschiede in der Bezahlung gibt? Ich lese auf meiner Gehaltsabrechnung Betriebsstätte-Ost, auf einem älteren Gehaltszettel den Hinweis „Betriebsstätte West“ die Unterschiede lassen sich ganz klar im Netto ausmachen. Lohngleichheit? Gibt es nicht. Die deutsche Trennung wird also munter aufrecht erhalten.

  • Rente:

    Es gibt eine Rente Ost und eine Rente West. Das versteh ich sogar, denn die heutigen Rentner arbeiteten tatsächlich entweder in der BRD oder eben in der DDR. Das trifft aber nicht auf die Rentenberechnung für meine Generation (born in the 80s) und die kommenden Generationen zu. Trotzdem wird heiter weiter getrennte Kasse gemacht und im Osten fleißig gespart. Ein peinlicher vorsichtiger Versuch ist zuletzt 2012 gestartet worden. Hier sind die Rentenbezüge für „Rentner im Osten“ höher ausgefallen als „im Westen“. Link: Rentenanpassung im Osten höher als im Westen Das ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, der wird IMHO jedoch zu spät gemacht und nicht vernünftig und im richtigen Ausmaß voran getrieben.

  • Gesellschaft:

    Du darfst von Ostalgieshows halten, was Du willst – ich find‘ sie Kacke. Ja, ich erinnere mich an viele Alltagsgegenstände, die hier gezeigt werden, hab das Ganze aber direkt nach dem Ende der Sendung, wenn ich denn so lange dabei bleibe, direkt wieder vergessen. Was ich nicht nachvollziehen kann, ist das Gefühl des „Zusammenhalts“, das für die DDR und seine Einwohner gern propagiert wird. Und das jeder Arbeit hatte. Ja Freunde, das Zusammengehörigkeitsgefühl mag größer gewesen sein. In so einem Zusammenhalt dann aber auch (fast) immer eine IM-Ratte dabei, die so ziemlich alles aufgeschrieben und dokumentiert hat. Wie die wirtschaftliche Lage der DDR zu ihrem Untergang aussah, brauche ich hoffentlich auch niemandem im Detail erläutern. Das dürfte hinlänglich geklärt sein. Wohin diese „Strategie der Vollbeschäftigung um jeden Preis“ führt, haben wir also alle bereits erlebt. Und zum Schluß das für mich schlagende Argument: Die Unfreiheit. Ein kriminelles System zu bilden oder zu erhalten, dass seine Bürger einsperrt und den westlichen Rest der Welt per Staatsdoktrin verteufelt kann doch nicht erstrebenswert sein. „Baut die Mauer wieder auf.“ – Blödsinn.

  • Auch wir (Ossis) halten an der Teilung fest

    Briefboten - Zustellgebiet neue BundesländerIch brauche mich überhaupt nicht über die gesamtdeutsche Regierung oder das Fernsehen oder gar „die Wessis“ aufregen. Wir „Ossi-Unternehmen“ machen das Ganze ja nicht besser. Wir helfen Null dabei, eine deutsche Wiedervereinigung endlich abzuschließen. Wenn ich mich umschaue und einen roten Briefkasten der „Postalternative“ sehe, auf dem für das „Zustellgebiet neue Bundesländer“ geworben wird, dann drehen sich mir die Fußnägel auf links. Vielen Dank, liebe Briefboten. Ihr seid keine Hilfe. *buh*


Bis zu einer deutschen Einheit ist es noch ein langer und steiniger Weg. Und so lang wir nicht wirtschaftlich und politisch gestützt in einem vereinten Deutschland leben, wird es wohl auch weiterhin „neue Bundesländer“ und alte Bundesländer geben. Neuland gibt’s ja schließlich auch schon eine ganze Weile 😉 Wenn das dann irgendwann einmal erreicht ist, darf der Tag der deutschen Einheit dann vielleicht auch wieder als Nationalfeiertag bezeichnet und erlebt werden. Aktuell sind wir davon ja nun meilenweit entfernt. Ich wünsche mir einen unverkrampften Umgang mit dem Begriff Deutschland. Das sollte ja wohl möglich sein. bis zum nächsten Jahr, Alaaf und Helau.

Veröffentlicht inPolitik


"26. Tag der deutschen Einheit" wurde am 3. Oktober 2016 verfasst. . Bitte beachte, dass die Informationen in diesem Artikel lediglich den Stand des Datums der Veröffentlichung spiegeln und sich im Laufe der Zeit geändert haben können.

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