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DVB-T2 HD – Tschüss, kostenloses Fernsehen


So richtig kostenlos war Fernsehen ja nie (siehe GEZ oder Rundfunkbeitrag), mit DVB-T2 HD wird das Ganze nun aber vollends vermarktet. Wer sich ab dem 01. Juli 2017 „Free TV“ (der Begriff ist schon eher Hohn) reinziehen will, braucht technische Unterstützung und ein Gerät. Darüber hinaus braucht es einen Vertrag. Werbung fressen und dennoch bezahlen – so sieht’s dann mal kurz und knapp formuliert aus.

    Bisher funktioniert Free TV über DVB-T so. Man nehme die Komponenten:

  1. Fernseher
  2. DVB-T-Receiver
  3. Antenne (aktiv oder passiv)
  4. Strom
  5. Zuschauer (Einer oder Mehrere)

  6. Fertig ist der werbeüberfüllte Free-TV-Wahnsinn

Damit ist nun Schluß. Die freundlichen und fetten schwarzen Bauchbinden im Free TV weisen mich als geneigten Nutzer sehr intensiv darauf hin. Ab dem 27.03.2017 ist Schluß mit kostenlosem Fernsehen von der RTL-Gruppe. Auch die ProSiebenSat.1 Media SE und die anderen Privaten schalten den Sendebetrieb über DVB-T ab und sendet ab diesem Moment über DVB-T2 und nur noch in HD. Das produziert Kosten. Kosten, die dann an freenet zu entrichten sind. Das Ganze wird in Form einer Gebühr für die Freischaltung für die HD-Variante der Sender abgewickelt. Kunststück – in SD sind die Sender ja auch nicht mehr zu bekommen. Wer das nun mitmacht, wird also Anschaffungskosten und laufende Kosten haben, die in ähnlicher Form auch anfallen, wenn man nun auf einen Kabelanschluß ausweicht. Der kostet eben auch Geld.

DVB-T2 HD Hinweis RTL

Ich gehe mal schwer davon aus, dass die Anzahl und Dauer der Werbeunterbrechungen nicht nachlassen wird. Die Werbung wird dann halt in HD übermittelt. Aber Moment, ist Werbung nicht eigentlich das Mittel, mit dem das Privatfernsehen sich die Taschen voll macht seine Produktionskosten (Personal-, Sende-, Strom und was weiß ich noch für Kosten und Gebühren) deckt und somit finanziert? Die könnte dann doch wegfallen oder zumindest seltener werden? Ich glaube wohl kaum. Auf diese Melkkuh wird man bei den Privaten ganz sicher nicht verzichten, die Werbepausen werden uns also mit großer Sicherheit erhalten bleiben.

DVB-T2 HD – Der neue Mitverdiener Freenet

Jetzt kommt noch ein weiterer Mitverdiener hinzu: Freenet. Um den neuen Receiver nämlich für die Privaten HD-Sender über DVB-T2 freizuschalten – SD-Sender gibts nicht mehr – braucht es ein CI+ Modul (Common Interface), das entweder bereits im Receiver verbaut ist oder dort eingeschoben werden kann. Wenn Dein Fernseher das kann – betrifft die meisten Fernseher, die ab Mitte 2015 produziert wurden – kannst Du dieses Modul – also die Karte dort einschieben. Diese Karte kostet (aktuell) 79,99€

    Was bleibt also unterm Strich anzuschaffen, wenn das TV-Signal weiterhin (also nach dem 01.07.2017) über DVB-T geliefert werden soll? Es braucht nun folgende Komponenten:

  1. Fernseher (vorzugsweise mit CI+ Einschub)
  2. DVB-T2 Receiver mit eingebautem CI+ Modul
  3. CI+ Modul (wenn nicht bereits Receiver verbaut)
  4. Privatsenderfreischaltung von Freenet (von denen kommt das CI+ Modul oder eben der Receiver)
  5. DVB-T2 (HD) Antenne

Wie funktioniert das mit der Freischaltung der privaten Sender ab dem 01.01.2017 bei DVB-T2 HD?

Auf der Freenet-Seite lässt sich das nur zwischen den Zeilen herauslesen. Aktuell – also jetzt im Januar 2017 – wird damit geworben, dass Du mit ihnen „.[…] bis zu 20 private und bis zu 20 frei empfangbare Sender in HD […]“ empfangen kannst. Bis Juni 2017 ist dieser Service völlig kostenlos zu haben. Und jetzt kommt das danach: […] danach nur bei uns für megagünstige 5,75 Euro im Monat zu haben. […]

Aha.

5,75€ im Monat mit 12 multipliziert ergeben 69,00€ / Jahr. Das ist der Jahrespreis für den Konsum von privaten TV-Sendern in HD über DVB-T2. So einfach ist das. Freenet scheint hier – zumindest für das erste Jahr des Regelbetriebs das Monopol auf die Freischaltung der TV-Sender zu haben. Die Entschlüsselung der privaten Sender funktioniert über einen, wie sie es nennen: „Gutschein zur Freischaltung“, der dann online oder im Handel gekauft werden kann. Ich stelle mir das so vor, wie damals die Decoderkarten bei Premiere (heute Sky) funktioniert haben. Gehe in das Menü Deines Receivers oder greife auf das Menü Deines CI+-Moduls zu und verlange Zugriff auf die privaten Sender. Das Menü verlangt nun die Eingabe eines Codes, den Du dann richtig eingibst. Ab dem Moment werden die Sender freigegeben und Du kannst die privaten Sender wieder sehen. In HD. Für ein Jahr lang.

Bye Bye Free TV DVB-T

Wie geht es dann weiter?

Was nach diesem ersten Jahr passiert, kann ich zum heutigen Tag noch nicht sagen. Vielleicht verliert Freenet dann sein Monopol und muss sich dann ab dem 01.07.2018 auf Konkurrenz einstellen. Für uns Verbraucher kann das nur gut sein, denn dann sinken die Preise, kommen Kombinationsangebote wie günstigere Zweitkarten und Preisbefreiungen an den Markt. Bis dahin hat Freenet jedoch das Monopol und wird wohl ordentlich verdienen.

Alternativen zu DVB-T2 HD

Na klar gibt es mittlerweile x-verschiedene Streamingdienste und auch TV-Alternativen zu DVB-T und DVB-T2 (HD). Einer der Internet-TV-Anbieter ist Zattoo. Über die Smartphone-App

und die App auf meinem Amazon Fire TV-Stick, kann ich die gratis Inhalte bereits jetzt laden und sehen. Aber auch hier kostet ein konsumierbares TV-Paket mal locker 9,99€ im Monat. Dazu kommt noch, dass mein Internet-Anbieter o2 diese witzige (nicht) Fair Use-Mechanik verbaut hat, die meine Verbindungsgeschwindigkeit drosselt, wenn ich pro Monat mehr als 300GB versurfe. Diese Grenze halte ich durchaus für knackbar, wenn das TV-Programm nun über meine Internetleitung kommt.

Fazit

Mit den Möglichkeiten, einen Fernseher und seinen Apps heute internetfähig zu machen, wird der Bildschirm definitiv nicht dunkel bleiben. Ich jammere hier auch nicht wegen des grandiosen und geistreichen TV-Angebots herum, das das Free TV mir/uns in der Vergangenheit präsentiert hat. Nicht. Es geht darum, ein wenig zu zappen, den Fernseher einfach mal laufen zu lassen und vielleicht doch über ein interessantes Programm zu stolpern. Das war bisher mit einfachen Mitteln (DVB-T) möglich – ist aber nun Geschichte. R.I.P. Free TV

Veröffentlicht inWirtschaft


"DVB-T2 HD – Tschüss, kostenloses Fernsehen" wurde am 23. Januar 2017 verfasst. . Bitte beachte, dass die Informationen in diesem Artikel lediglich den Stand des Datums der Veröffentlichung spiegeln und sich im Laufe der Zeit geändert haben können.

4 Kommentare

  1. Marco Marco

    Fantastisch! Damit erübrigt sich endlich die manuelle Deprogrammierung von RTL, Pro7 etc. Bei Zigaretten hats ja auch funktioniert. Physisch bringen sich nun weniger Menschen um. Bleibt zu hoffen, dass sie bei ihrer psychischen Gesundheit genau so verfahren.

    #iLike

  2. Nici_w_else Nici_w_else

    Inakzeptabel! Aber leider unumgänglich… hat man die Gesellschaft doch Jahrzehnte lang in die Abhängigkeit getrieben, sich von mehr oder minder gelenkten Medien bilden zu lassen oder seine Zeit mit IQ tötenden Sendungen zu verschwenden, reicht es den Gehirnprogramierern nicht mehr sich nur an den Milliarden Werbeeinnahmen zu laben… nein da gibt es noch genug Reste aus den abhängigen zu saugen. Hat man uns schon der Freiheit beraubt, selbst zu entscheiden, wird der Schritt in die Unabhängigkeit mit der eigenen Wohnung, sogleich mit der Rundfunkfessel eingedämmt. Wer schon einmal einer Produktion der öffentlich rechtlichen beiwohnen durfte, weiß das Dreiviertel dieser Gelder genauso gut für ein gemütliches Lagerfeuer verwendet werden könnten. Ich selbst nutze Steamingdienste um mein Programm selbst bestimmen zu können aber gebe mich ebenso gern mal dem gut trainierten Zappingdaumen hin… und muss mich dem Schicksal unterwerfen. Den bitteren Beigeschmack Spucke ich dann in den Topf zu den anderen Pillen die man so schlucken muss.

  3. Steffen Steffen

    Es gibt noch lineares Fernsehen? 🙂

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