Zum Inhalt

WTF!? Einspurige Zeppelinstraße in Potsdam

Eine sehr fragwürdige Maßnahme zum Umwelt

Wer in Potsdam arbeitet oder aus anderen Gründen regelmäßig dort hin fährt und über die Pirschheide nach Potsdam hineinkommt, kennt den Stau, der sich wegen der Pförtnerampeln nun seit einiger Zeit an jedem Morgen bildet. Das Ganze wird nun noch auf die Spitze getrieben und ist offenbar auch noch völlig ernst gemeint. Die Stadt Potsdam hat am 02.06.2017 damit begonnen, die Zeppelinstraße einspurig zu machen. Das bedeutet eine Fahrbahn pro Richtung. Als Hauptgrund hierfür wird eine ungesetzlich hohe Luftverschmutzung genannt. Diese überschreitet wohl regelmäßig die Grenzwerte und verstößt somit gegen irgend etwas aus dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Dass das nicht hinnehmbar ist, leuchtet mir ein. Der Mensch will atmen und soll das möglichst unbehelligt tun können.

Juni 2017 einspurige Zeppelinstraße Potsdam StauDie Art und Weise, wie das Ziel erreicht werden soll, stößt mir jedoch bitter auf. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) informiert auf dem Verkehrsportal Mobil in Potsdam zu der Maßnahme und lässt die Hintergründe und die Pläne sehr deutlich herauslesen. Hierin erläutert er, dass die Verkehrsbelastung in der Straße zu hoch ist. Und eben dieses Problem der stark befahrenen Zeppelinstraße wird auf Fahrzeuge aus dem Umland geschoben. Das ist inhaltlich sogar richtig, verheimlicht unbeachtet werden aber die Gründe, die die Autofahrer hierfür haben. In der Regel sind es Arbeitnehmer (Pendler), die wegen der verbesserungswürdigen Anbindungen an öffentliche Verkehrsmittel im Umland (unter Anderem der Takt der Fahrten) auf ihr Auto angewiesen sind. Und somit leider auch auf die Fahrt über die mittlerweile verhasste Strecke. Direkt um Update vom Montag, den 12.06.2017

Auch ich pendle hier ab und an mit dem Auto und glaube es mir, lieber O.B.: Ich würde liebend gern auf diese zeitraubende Erfahrung verzichten.

Es waren keine Spazierfahrten sondern mussten mit dem Auto erledigt werden. Zu dieser Erkenntnis sollen dann wohl jetzt auch viele andere Pendler genötigt gebracht werden. Dabei lese ich nichts über anstehende Gespräche mit den Vertretern der Umlandgemeinden wie Werder oder der Gemeinde Schwielowsee über (den Ausbau von) Entlastungsstrecken. Sozial gerecht finde ich das nicht und empfinde es als direkten Angriff auf Nicht-Potsdamer.

Zur Info: Meine Einkommenssteuer fließt (ja anteilig neben Bund und Land) in die Kasse der Stadt Potsdam. Und ich bin nicht allein. Ich verstehe mich also nicht als Touri oder Freizeitluftverpester. Es hat einen Grund, warum ich nach Potsdam fahre.

Im Infoartikel (und Flyer) ist Folgendes zu lesen:

[…] Um die Belastungssituation in der Zeppelinstraße deutlich zu verbessern, wurde in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Entwicklung des Landes Brandenburg ein Maßnahmenplan erstellt, der nachhaltig die Einhaltung der Grenzwerte der Luftschadstoffbelastung gewährleisten soll. Kern dieser Maßnahmen ist die Reduzierung der Kfz-Belastung bei gleichzeitiger Förderung alternativer Mobilitätsangebote.

Mit diesem Flyer möchte ich Sie über die geplanten Maßnahmen informieren und verbinde damit die Hoffnung bei Ihnen Verständnis für eventuelle Einschränkungen bezüglich des Kfz-Verkehrs wecken zu können. Ich möchte Sie ermutigen, die im Zusammenhang mit dem Verkehrsversuch verbesserten Angebote beim ÖPNV und Radverkehr zu nutzen, falls Sie dieses nicht ohnehin schon tun.

Jann Jakobs
Oberbürgermeister […]

Zumindest wird hier auch eingestanden, dass diese furchtbare Pförtnerampel (mit ihrer lächerlichen Meldung: Verkehrsdosierung aktiviert), keinen nennenswerten Effekt hatte. Wann kommt die also wieder weg? Dennoch, das Ziel ist die „Reduzierung der Kfz-Belastung“ – ganz offensichtlich durch Verringerung der Attraktivität, um das mal ganz vorsichtig zu formulieren. Es mag ja sein, dass ein Stau zur Rush Hour zu einer hippen Stadt gehört aber das muss man sich doch nicht so verschaffen. Eine Bus-Spur ist sinnig, wenn sie auch genutzt wird. Das mag durch den Busverkehr in der Woche gerade so zu rechtfertigen sein, am Wochenende produziert der Wegfall der zweiten Spur nur Stau und Frust. Dieses Bild ist am Sonntag, den 11.06.2017 um 18:30Uhr(!) entstanden:

einspurige-Zeppelinstraße-Potsdam-Stau-eine-Spur-Juni-2017

Umfrage zur Maßnahme einspurige Zeppelinstraße

Gut finde ich die geschaltete Umfrage, an der sich JEDE(R) Interessierte beteiligen sollte. Sie ist hier zu finden. Umfrage Zeppelinstraße:

Ich habe zu meiner Überraschung einige Felder mit Kommentarfunktion gefunden und sie genutzt. Vielleicht bin ich ja nicht der Einzige, der sich an der Umfrage beteiligt und ein möglichst sachliches Bild an die Stadt und das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Entwicklung des Landes Brandenburg zu ihrer Idee mit der einspurigen Zeppelinstraße zurückmeldet.

    Unterstützen Sie die Umsetzung der Verkehrsmaßnahme in der Zeppelinstraße?
    Bitte geben Sie eine kurze Begründung, falls ‚Ja‘ oder ‚Nein‘:
    Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten:

  • Ja
  • Nein
  • Weiß nicht
  • keine Antwort
  • Bitte geben Sie hier Ihren Kommentar ein:
    Hab ich getan: „Es ist der Versuch der Vertreibung von Autofahrern, die beruflich nach Potsdam hineinfahren und auf ihr Fahrzeug angewiesen sind. Es gibt keine nennenswerte Alternative (oder die Planung derselben). Durch ernsthafte Gespräche mit den Vertretern der Umlandgemeinden könnte das gelingen. Jedoch liest man nicht einmal eine Ankündigung dieser Überlegung.“

    Und so geht es weiter:

  • 2. Juni 2017
    öffentliche Informationsveranstaltung zu den geplanten Maßnahmen in der Zeppelinstraße, um 18:00 Uhr im Hotel „Arcona“ (Havelpavillon), Zeppelinstraße 136
  • 3. bis 30. Juni 2017
    Markierungsarbeiten zur Umgestaltung der Zeppelinstraße mit abschnittsweisen Sperrungen/Einschränkungen
  • 1. Juli 2017
    Beginn des Verkehrsversuches einschließlich Evaluation folgender Daten:

    • Schadstoffentwicklung
    • Reisezeit (Kfz, ÖPNV, Rad)
    • Verkehrsunfälle
    • Verkehrsbelastung Zeppelinstraße (Kfz, ÖPNV, Rad)
    • Verkehrsbelastung im angrenzenden Verkehrsnetz
  • Februar 2018
    Bilanz der 6-monatigen Versuchsdauer (Juli – Dezember 2017) mit Entscheidung über das weitere Vorgehen.

Auch wenn ich glaube, dass sich die Stadt Potsdam nicht mehr von der Idee: Die einspurige Zeppelinstraße abbringen lässt: Es soll schon Pferde gegeben haben, die sich vor Apotheken übergeben mussten. Na mal sehen

Nur noch eine Spur in der Zeppelinstraße Potsdam – die Updates

Kleines Montagsupdate
Heute ist wieder einer dieser Tage an denen ich das Auto bemühen musste. Direkt an der Holländer Mühle (das ist noch nicht einmal Geltow) war der Stau bereits so dicke, dass ich lieber den Umweg über Ferch und das Dreieck Nuthetal (ebenfalls ein Baustellenschlachtfeld) gefahren bin als mir diesen Stau rein zu ziehen. Ich frage mich, wann Geltow seinen Teil der B1 sperrt :-/

Veröffentlicht inLokalteilPolitikVerkehr


"WTF!? Einspurige Zeppelinstraße in Potsdam" wurde am 11. Juni 2017 verfasst. . Bitte beachte, dass die Informationen in diesem Artikel lediglich den Stand des Datums der Veröffentlichung spiegeln und sich im Laufe der Zeit geändert haben können.

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.